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Rund ums Forum => Zombies and Censorship => Thema gestartet von: Amoebe am 02. März 2003, 10:53:12



Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 02. März 2003, 10:53:12
Moins
bei uns auf Arbeit wurde in der Konferenz das Thema Gewalt erörtert, zu dem ich u.a. auch Stellung bezogen hatte.
Mein Vortrag war kurz und knapp und ich werde ihn hier noch knapper halten.

Nach Meinung von Poitikern und Kirche ( und weiten Teilen des gemeinen Volkes) verführen stetiger Konsum von Horror-/Videos und Spielen mit gewalttätigem Inhalt zur selben in der realen Welt. Diese Menschen gelten, aufgrund ihres Hobbys als abartig und diejenigen die solche Filme/ Spiele auf den Markt bringen gehören ins Gefängnis.

Dann kam meine Gegendarstellung, in der ich die These aufstellte, das Menschen, die ihren sadistischen Neigungen nachgehen ( und das OHNE Konsum solcher o.g. Medienbereiche) als kranke Menschen angesehen werden, die dringend psychiatrische Hilfe benötigen.
Deren Eltern, die maßgebend an der Entwicklung ihrer Sprößlinge beteilligt sind ( sein sollten ) werden nicht mal ansatzweise strafrechtlich belangt.

Folgt man dieser Denkweise, könnte man fast meinen, wer in einem "normalen" Elternhaus aufgewachsen ist und gewalttätig wird, bekommt seine Chance, arme Teufel, die sich, aufgrund Vernachlässigung innerhalb ihrer Familie und i Freundeskreis, ihrem Frust Luft machen, werden als gefährliche Psychopathen dargestellt, deren Hobbys und das dazugehörige Umfeld sofort aus der Gesellschaft entfernt gehört.
Dabei haben beide Teile meines Berichts eines gemeinsam: In beiden Fällen haben die Elternhäuser versagt, weil sie sich nicht um ihren Nachwuchs gekümmert hatten.

Es folgte nach dem Bericht eine hitzige Debatte, weil einige Teile mir Recht gaben, andere Fraktionen ( darunter selbstverständlich Psychologen, die schon aufgrund falscher Gutachten mehrfach strafversetzt wurden), die der Meinung waren, eh alles besser zu wissen und meine These völlig über den Haufen warfen.
Unsere Gesellschaft ist krank und sie krankt immer weiter. Aber das dliegt nicht an Filmen, oder Spiele, sondern an zunehmender Gefühlskälte (gefördert z.B. von Medien die einem sagen wollen, was "In" und was "Out" ist).
Aber es ist nun mal auch bequemer, einem Medium, was sehen und greifen kann, die Schuld zu geben, als zuzugeben, in der Erziehung seiner Kinder versagt zu haben.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 03. März 2003, 09:52:21
Hi Amoebe,

ich denke auch nicht, dass Gewalt in Filmen und Spielen Auslöser von Aggressionen ist.
Es fließen doch eine Reihe von Faktoren ein. Ich als Laie denke, dass z.B. erbliche Veranlagung eine gewichtige Rolle spielt.
Aber es sollte doch niemand diese ganzen schrecklichen Taten entschuldigen, weil der Täter eine zerrütte Kiindheit hatte.
Man ist schließlich irgendwann für sich selbst verantwortlich.
Ich bin mit Dawn, Lebendig gefressen und Fulcis Filmen aufgewachsen und habe auf dem Compi jedes geniale brutale Spiel gezockt, kann bei mir deswegen keine Tendenz zu Gewalt feststellen.

cheers...Dr.Tongue


 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 03. März 2003, 10:40:55
Thx, Dr.Tongue...du sagtest du hast auch die Ära der Zombie-Filme der Anfangszeiten mitgemacht.
Ist es indiskret zu fragen, welcher Jahrgang du bist?
Meine Wenigkeit beruht sich auf Baujahr 69.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 03. März 2003, 10:54:09
Hi Amoebe,

bin Jahrgang 70.

Ich weiß noch, wie ich immer nur die Photos im Aushang bewundern durfte und die Großen immer Stories erzählt haben.

Hat bis zur Videoära gedauert (so 82-84) bis ich auch mitreden konnte.
Heute Dank Internet und DVD habe ich mir die Perlen gleich geordert. Bloß es gibt ja eine Reihe von Zombie-Filmen, die ihr Geld nicht wert sind und waren (davon viel aus Italien : After dead, Zombie 3, usw.)

Wenn Leute wie wir, nicht ein Argument für Dead Reckoning sind;-)
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 03. März 2003, 11:01:05
Lol,
Hi Tongue

Jahrgang 70, coooool. Hast es ja eben angeschnitten. Die Jahre 82-84 waren für die Video-Ära äusserst prägend.
Kann mich noch gut daran erinnern, daß es in fast jedem Laden ( z.B. in Spandau gab es mal eine Pizzeria, die in der Speisekarte gleich eine Liste mit Videos zum Ausleihen hatte) Videos zu borgen gab.
Hier im Norden hatte ein Elektro-Händler ebenfalls eine Videothek eröffnet. Die Filme hatten damals alle noch Papp-Cover und waren reisserisch aufgemacht.
Trotzdem wars ne geile Zeit.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 03. März 2003, 11:11:26
Ja ja, 82-84. Dann ging die große Hatz los. Ich weiß noch, wie unsere Pauker dann immer gewettert haben und wir mußten sogar einen Aufsatz schreiben, warum man das alles verbieten sollte. Also wenn das keine Manipulation war.
Mir kommt es noch heute hoch, wenn ich an die ganzen 68er-Lehrer  mit ihrem Quasi-Messiastum denke.

cheers...Dr.Tongue
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 03. März 2003, 11:12:59
Naja wir mussten nur nen Aufsatz zum Tode Axel Springes im Jahre 85 machen ( tolles thema *würg*).

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 03. März 2003, 11:20:37
Wer ist Axel Spinges?

cheers...Dr.Tongue
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 03. März 2003, 11:24:11
Ooops Schreibfehler
meinte Axel Springer, Cheffe der Blöd-zeitung u.ä.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 08. April 2003, 09:23:40
War mal wieder bei einer Verhandlung eines Kinderschänders. (Nix neues).
Als ihn aber der Richter gefragt hatte, wie es zu den Taten kommen konnte, antwortete dieser: "Die Fernsehserie GZSZ hat mich dazu verleitet, weil sich da auch immer junge Leute ausziehen, Schmusen und ins Bett gehen!"
Die Anwältin hat diese aussage kräftig unterstützt.
Müssen wir nun um diese Serie fürchten?

Klingt sehr zynisch von mir, was ich hier schreibe, aber wenn wir die Arbeit der BPS ernst nehmen müssen, dann müssten sie dann auch diese Serie aus dem Verkehr ziehen, da sie anscheinend Menschen dazu verleitet, sich an Kindern zu vergreifen.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 08. April 2003, 09:30:45
Hi Amoebe,

so ein defekter Mensch könnte auch die Teletubbies als Motivation für seine Taten heranziehen.
Diese Typen sind einfach nur krank.

cheers...Dr.Tongue



 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: donshadow am 08. April 2003, 09:46:01

Habe doch immer gewusst, dass GZSZ gefährlich für die Menschheit ist. [15]
SOFORT VERBIETEN! BITTE!


donshadow
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 08. April 2003, 10:04:42
Hi Tongue, es geht ja nicht nur um kranke Gehirne, sondern viel mehr um die Tatsache, daß wieder einmal jemand eine Filmvorlage für seine Taten angibt.

Nehmen wir z.B. Steinhäuser: Ich denke nicht das er krank war, eher verzweifelt( was aber nicht heissen soll, daß ich seine Taten damit rechtfertige).
Aber er hatte eine beachtliche Sammlung an Ego-Shootern zu Hause.
Da Horror, Splatter und Videospiele mit gewalttätigen Inhalt eh schon ein rotes Tuch für die Zensoren sind, kann man hier also mit Recht sagen das diese Damen und Herren bereits mit Vorurteilen an die Sache herangehen.

Ich will GZSZ nicht verbieten ( dann wär ich ja auch nicht besser) aber nur mal rein theoretisch müsste sie doch unter diesen Umständen verboten werden.

Machen wir uns aber nichts vor, es wird nicht geschehen.

Gruß Amoebe

 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 08. April 2003, 10:18:40
hi amoebe,

die Leute, die sich GZSZ anschauen, waren mir eh noch nie ganz geheuer[12]

Aber ernsthaft, Dinge wie Steinhäuser oder die Sache damals mit den Kiddies in England wird man sicherlich nicht durch irgenwelche Verbote verhindern können.
Du zeigst ja schon immer richtig auf, dass hier die Elternhäuser versagt haben. Man müsste nun konsequent weiterfragen, warum Elternhäuser heute versagen.

cheers...Dr.Tongue


 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Fraenklin am 08. April 2003, 10:36:15
Elternhäuser haben auch früher schon versagt. Nur damals gab es noch keine Videos oder Ballerspiele auf die man die Schuld abwälzen konnte.

Ausserdem werden solche Vorfälle ja auch ganz gerne von den Medien hochgekocht. Und noch bitterer wird's, wenn das dann in der "Saure Gurken Zeit" passiert, dann wird regelrecht zur Treibjagd geblasen und eine endlose Serie im Massenblatt gestartet.

Nur an die wahren Ursachen traut sich keiner ran. Denn dann wären die Politiker dieses Landes schnell als die Schuldigen entlarvt. Und die ganze Politik ändern? Nein, dann doch lieber die Schuld auf Gewaltfilme und -spiele schieben und den ganzen Rotz verbieten. Das ist wie Strom. Der geht auch immer den Weg des geringsten Widerstands.

Gruezi,

Fraenklin (http://www.gamers-forums.com/smilies/contrib/ruinkai/biggrinking.gif)

 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 08. April 2003, 15:29:17
Hast es auf den Punkt getroffen, Fraenklin. Das was am wenigsten Widerstand leistet ( in unserem Fall Spiele und Filme) wird gnadenlos über den Haufen gefegt.

Apropos Spiele: Bin leidenschaftlicher Tabletopgamer( Brettspiele). Mitte der 80er hatte MB ( Kennen wir ja alle mit dem Bengel, der auf nen Gong haut), die Gamemaster-Trilogie auf den Markt geworfen.
Es waren Strategiespiele der besonderen Art, eines spielte im japanischen Kaiserreich, eines war eine 2.Weltkrieg-Kampfsimulation ( Gutes Game, besser als Risiko, allerdings  u.a mit einer unzensierten Hakenkreuzfahne auf dem Cover) und einem Spiel wo die Vereinigten Staaten von Hussein, der Kommunismus  & Co. (1986!!!!) angegriffen werden.
Und das von einer Firma, die sonst eher Familienspiele auf den Markt wirft.
Hier stimmt das Sprichwort wieder, das jedes Gewerbe seine Schattenseiten hat.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 09. April 2003, 10:00:57
Hi Dr. Tongue
nochmal zu deiner Frage, warum so viele Elternhäuser versagen:

Die heutige Zeit ist nur noch auf Tempo und "Hip-Sein" ausgerichtet.
Alles muß auf Knopfdruck funktionieren, der Spaßfaktor steht ganz oben, da bleibt keine Zeit seine Kinder zu erziehen.

Ich meine: In den sog. Talkshows werden ständig die rührenden Gesten diverser Tolpatsche ( Ich nenne sie hier mal so), die mit Blumensträussen um die Hand ihre Angebeteten anhalten, sie sagt schüchtern "Ja" und das mediengeile Publikum jubelt, vergißt aber dabei, das eine Ehe nicht nur aus Luft und Liebe besteht, sondern das man dafür auch viel arbeiten und entbehren muß.
Ebenso verhält es sich mit den Vaterschaftstests, entweder reagieren die Kerle bei Bestätigung gerührt und sie lügen ständig den werdenden Müttern, das sie von nun an alles für die neue Familie tun werden, oder aber sie lehnen jedwede  Verantwortung theatralisch ab. Bereits diese Vorgehensweise der Medien wertet Kinder als rührende Ramschartikel ab, wie Spielzeugpuppen.

Ferner schaffen sich zwar viele Menschen unkontrolliert Kinder an, und kommen dann aus dem Staunen nicht heraus, weil sie feststellen müssen, das Kinder einen emensen Aufwand von einem abverlangen.
Also werden sie unkontrolliert mit Videospielen und Filmen "ruhiggestellt". So haben dann Mami und Pappi wieder Zeit für ihre Hobbys, oder anderen Belanglosigkeiten widmen.
So werden die Kiddies zu "gefühlskalten Automaten".
Sie sind kaum noch in der Lage sich zu konzentrieren ( z.B. Lesen sie immer weniger), verlernen sogar das Spielen auf dem Spielplatz( man sieht sie dort nur gelangweilt herumlungern).

Klingt ziemlich düster, was ich hier schreibe, aber so lebt der Großteil der Bevölkerung nach diesem Schema.

Gruß Amoebe
 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Dr. Tongue am 10. April 2003, 00:41:19
hi ameobe,

ich möchte Fraenklin beipflichten.

Du wirst sicherlich auch die Dokumentation über Jürgen Bartsch verfolgt haben.
Damals war nichts mit Horrorvideos und -games. Lediglich eine Ruhrpott-Familie, die sich mit allen Mitteln aus dem Elend Nachkriegsdeutschlands eine Existenz aufbauen wollte. Ja, adoptiert haben sie ihn sogar ("...rührender Ramschartikel...").
In Hamburg würde ich gerne das Thema mit Dir diskutieren.

cheers...Dr.Tongue



 


Titel: Freibrief für Gewalt?
Beitrag von: Amoebe am 10. April 2003, 06:31:56
Hi Tongue,
habe das Buch "Der Zwang zur Serie", da wird sehr gut über Bartsch berichtet, die beiden Dokus über ihn habe ich auf Video.

Krasser kann man sein Leben nicht beschreiben und seine späteren Auswirkungen.
Können uns gerne über das Thema in Hamburch unterhalten.

Gruß Amoebe